«Der Fraktionsbenjamin bin aber immer noch ich»

«Der Fraktionsbenjamin bin aber immer noch ich»

Gespräch mit dem Berner Nationalrat Christan Wasserfallen

Entspannt läuft er vom Rednerpult im Nationalratssaal direkt in die Wandelhalle und setzt sich zu uns an den Tisch. Locker und dynamisch, so wie man es vom jüngsten Fraktionsmitglied der FDP-Liberalen nicht anders erwarten würde. Zwar ist mit Raphaël Comte erneut ein junges Mitglied in die Bundeshausfraktion eingezogen, doch „der Fraktionsbenjamin bin immer noch ich mit meinen 28 Jahren“, stellt der Berner Nationalrat lachend fest.

 

Kein Hinterbänkler

 

Geplant habe er seine Politikkarriere nicht. Sonst hätte er sicherlich noch nicht damit gerechnet, dass er 2007 in den Nationalrat einziehen würde: „Das zeigt ein, wie unrealistisch eine politische Karrierenplanung in der Schweiz ist“. Er und sein Umfeld seien alle gleich verwundert und überrascht gewesen, als feststand, dass er in den Nationalrat einziehen würde.

 

Auf die erste Fraktionssitzung angesprochen, zeigt sich dann auch, dass Christian von Anfang an nach Bern gekommen ist um etwas zu bewirken. Die erste Fraktionssitzung fiel nämlich just mit der Hanfinitiative zusammen. So fragte der damals Frischgewählte den damaligen Fraktionspräsidenten an ob es opportun sei, in seiner ersten Sitzung bereits ein Votum zu halten. Und so plädierte er damals bereits gegen die Hanfinitiative: „Ich hab dann halt voll Gas gegeben“. Grinsend gibt er aber auch zu: „Es hat teilweise für Irritationen gesorgt, dass man als junges Mitglied in der Fraktion so auftritt“.

 

Dass er qualitativ gute Arbeit leistet und seinen Standpunkt einbringen kann zeigt sich auch im Umstand, dass er nicht als Hinterbänkler wahrgenommen wird. Gerade in der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie kann der Maschineningenieur natürlich sein Fachwissen perfekt einbringen. Auch seine „nicht bis aufs letzte Komma kohärente Kommunikation“ verhilft ihm zu Respekt und Ansehen – gerade auch vis à vis der Bevölkerung.

 

Im Dienste der Bevölkerung

Während des Gespräch zeigt sich immer wieder eins: Christian Wasserfallen sieht Politik als Tätigkeit gegenüber dem Gemeinwohl und der Bevölkerung. So ist zählt auch ein Ausspruch Ciceros über den Staatsdienst zu seinen Lieblingszitaten. „Für mich ist ein politisches Amt in diesem Land eine Festanstellung auf vier Jahre für die Bevölkerung“.

 

Ein weiterer zentraler Aspekt ist für Wasserfallen die Verwurzelung in der Bevölkerung. „Die Kontaktpflege mag ich wahnsinnig“, stellt er fest und verweist auf seine Unihockey-Kollegen und sein direktes Umfeld welche ihm den nötigen Boden geben. Falls er „abheben“ würde bekäme er es von diesen sicher gleich „direkt zu spüren“. Für Christian Wasserfallen ist denn auch klar: „Egal mit wem man redet, es kocht schlussendlich jeder nur mit Wasser – es ist niemand ein Übermensch“.

 

Ein ganz normales Leben

Neben der Politik arbeitet Christian Wasserfallen zu 40%. So bleiben ihm theoretisch 60% für die Politik. Er gibt offen zu, dass sein Nationalratsmandat mehr als das in Anspruch nimmt. Aber: „Es gibt ein normales Privatleben und in diesem stelle ich nicht mein Amt oder meine Tätigkeit in den Vordergrund“ erklärt der YB- und SCB-Fan. Selbst spielt er gerne Unihockey und reist: Bewegung ist wichtig. Das nächste Ziel ist schon bekannt. So plant er zurzeit eine Reise nach Nord- und Südkorea. Und bereits immer Sommer geht es nach Schottland. Dort kann er einer weiteren Leidenschaft nachgehen: Single-Malts.

 

Daneben findet der eloquente Nationalrat immer wieder Gefallen an verschiedensten Biografien. Besonders diejenige von Angela Merkel findet er beeindruckend. Auch, weil sie wie er selbst einen naturwissenschaftlichen Hintergrund hat.

 

Verantwortung für das Gesamte

Das Verantwortungsbewusstsein stellt im Zentrum seines freisinnigen Gedankengutes: „Verantwortung übernehmen heisst für das Land und für unsere Partei zu kämpfen“. Für die eigenen politischen Süppchen, die Links und Rechts immer wieder kochen, hat er nichts übrig.

 

Für ihn ist es wichtig immer „das Gesamte zu sehen“. So ist er denn auch davon fasziniert, gegnerische Positionen und Argumente zu prüfen und zu durchleuchten. Wichtig ist Christian Wasserfallen, dass man nicht opportunistisch seine Positionen ändert, sondern sich klar positioniert und schliesslich Verantwortung für das Gesamte übernimmt.

 

Zitat


 

«Der Staatsdienst muss zum Nutzen derer geführt werden, die ihm anvertraut werden, nicht zum Nutzen derer, denen er anvertraut ist»

Marcus Tullius Cicero